NATO beginnt Rückzug aus Kosovo
 KFOR-Soldat (AFP) |
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Zehn Jahre NATO-Präsenz im Kosovo
Nach zehn Jahren Präsenz im Kosovo beginnt die NATO mit dem Rückzug ihrer Truppen.
Die Verteidigungsminister des Bündnisses beschlossen am Donnerstag in Brüssel, die derzeit noch rund 14.000 Soldaten umfassende Kosovo-Truppe KFOR schrittweise zu verkleinern, wie NATO-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer mitteilte.
Nach Angaben De Hoop Scheffers könnte die Zahl der Soldaten im Kosovo in einem ersten Schritt bis zum 1. Jänner auf 10.000 sinken. Die NATO will sich nach Angaben des Generalsekretärs auf eine "Abschreckungs-Präsenz" beschränken. Laut einem Diplomaten könnte dies in zwei Jahren eine Rumpftruppe von nur noch 2500 Soldaten bedeuten, wenn bestimmte Kriterien wie etwa die Sicherheit im serbisch besiedelten Norden erfüllt seien.
Der deutsche Verteidigungsminister Franz Josef Jung sagte, auch eine "angemessene" Zahl von Bundeswehr-Soldaten könne vor Weihnachten aus dem Kosovo heimkehren. Die Bundeswehr ist nach Angaben des Einsatzführungskommandos in Potsdam mit derzeit noch gut 2000 Soldaten größter KFOR-Truppensteller.
Am Freitag jährt sich zum zehnten Mal der Tag, an dem die NATO in die ehemalige serbische Provinz einzog. Ziel war es, die überwiegend albanischstämmige Bevölkerung vor Übergriffen der serbischen Armee zu schützen. Im Februar vergangenen Jahres erklärte sich das Kosovo unabhängig von Serbien.
Spanien hatte im Frühjahr als erster NATO-Staat überraschend einen Truppenabzug angekündigt und das Bündnis so unter Zugzwang gesetzt. Madrid erkennt den Staat Kosovo anders als die meisten Bündnisländer nicht an. Ermöglicht wird die KFOR-Verkleinerung auch durch die deutlich verbesserte Sicherheitslage, wie Diplomaten betonen.
De Hoop Scheffer sagte, keiner der 28 NATO-Staaten habe eine Verlegung seiner Soldaten aus dem Kosovo nach Afghanistan angekündigt. "Wir könnten noch mehr Truppen in Afghanistan brauchen, aber diese Verbindung wurde nicht gezogen."
Am Rande des NATO-Rats wollte Jung unter vier Augen mit Pentagonchef Robert Gates beraten. Dabei ging es unter anderem um Fortschritte bei den START-Verhandlungen zur nuklearen Abrüstung. Als "sehr positiv" wertete Jung die Äußerungen von Russlands Ministerpräsident Wladimir Putin, der am Mittwoch einen möglichen Verzicht auf Atomwaffen signalisiert hatte.
Weitere Themen des NATO-Rats waren die Mission gegen Piraten und der Einsatz in Afghanistan. Das Bündnis prüft vor der Küste Somalias eine neue Piraten-Mission, die sich "Ocean Shield" nennen soll.
Am Freitag wollten die 42 Truppensteller-Staaten der internationalen ISAF-Truppe in Brüssel beraten. Zur Absicherung der afghanischen Wahlen im August will Deutschland zusätzlich zu seinen derzeit 3700 Soldaten 600 weitere entsenden. Insgesamt stockt die NATO ihre Truppen um bis zu 10.000 Mann auf. (AFP/red.)