"Schon vor einigen Jahren hat es bei der
Voest-Alpine-Industrieanlagenbau Studien zur Machbarkeit der
Bioethanol-Herstellung aus Stroh gegeben", erklärt Alexander Jäger,
Fachbereichsleiter Bio- und Umwelttechnik an der FH OÖ Campus Wels im
pressetext-Interview. Dafür habe er sich bereits seit der Jugend
interessiert, meint Jäger. Viele der damaligen Versuche seien aber in
Vergessenheit geraten. "Wir betreiben zunächst so etwas wie
Wissenschaftsarchäologie", betont Jäger. Es sei gelungen die Versuche
nachzustellen und dabei bereits neue Erkenntnisse zu gewinnen. "Bei dem
Verfahren geht es im Prinzip darum, Zellulose aus Holz oder Stroh mit
Hilfe von Enzymen in Zuckerbausteine aufzuspalten, die dann wie bei der
normalen Bioethanol-Produktion zu Alkohol vergoren werden können", so
Jäger. Konkret gehe es um die verbesserte Ausbeute des Strohs und
dadurch auch um eine Kostensenkung, erklärt der Forscher.
Neue Enzyme haben die Forscher, die im Verbund mit der JKU Linz,
der TU-Wien, der Universität Graz, dem Technologiezentrum Ennstal sowie
der Lenzing AG und der Südchemie als Industriepartner arbeiten, bereits
gefunden. "Neu ist auch, dass der Schritt der Verzuckerung und
Vergärung, der früher nacheinander durchgeführt werden musste, nun
parallel gemacht werden kann", so Jäger. Im Prinzip gehe es um die
Optimierung der Verwertung jener Stoffe, die anfallen. Vom Anbau
anderer Energie-Pflanzen wie etwa Eukalyptus hält Jäger nichts. "Wir
wollen das nutzen, was da ist."
Auch die Menge an Zuckerrüben sei in Österreich nicht groß genug,
um den Bedarf zu decken. "Das reicht bei weitem nicht aus", so Jäger.
Die Menge an Biotreibstoffen, die man mit Stroh herstellen könne, mache
zwischen fünf und zehn Prozent des gesamten Energiebedarfs aus. "Sie
liegt irgendwo zwischen 60 und 100 Petajoule", schätzt Jäger.
Vorstellbar wäre indessen eine zweite Fruchtfolge auf den Feldern. "Das
hat es ja früher auch gegeben", meint der Forscher. "Bevor dieser
Prozess industriellen Einsatz findet, besteht aber noch großer
Forschungsbedarf, denn derzeit steht der Erzeugungsaufwand noch in
keinem wirtschaftlichen Verhältnis zur Alkoholausbeute", erklärt Jäger
abschließend im pressetext-Interview.
Der FH OÖ Campus Wels hat mehrere Forschungsaufträge erhalten, um
aus Stroh das begehrte Bioethanol herzustellen. Aus den
Forschungsprogrammen "Fabrik der Zukunft", "Energiesysteme der Zukunft"
sowie "FH Plus" und "Coin" wurden den Welser Wissenschaftlern und ihren
Forschungspartnern mehr als zwei Mio. Euro zur Verfügung gestellt. Ab
Januar 2009 wird unter der Leitung von Jäger und Heike Kahr ein Team
von fünf Wissenschaftlern am Welser FH-Campus am Projekt
Strohbioraffinerie arbeiten. (pte)
http://www.fh-wels.at
Aussender:
pressetext.austria
Redakteur:
Wolfgang Weitlaner