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Scheidungsrecht: Happy End nach langem Rosenkrieg

©DDP/AFP

Hollywoods "Rosenkrieg" zwischen Michael Douglas und Kathleen Turner war nichts dagegen. Zwei Jahre lang lieferten sich die Europäer ein erbittertes Scheidungsdrama. Der Streitpunkt: Ein verbessertes Trennungsrecht für binationale Ehepaare oder solche, die im europäischen Ausland leben.


Für so manches zerstrittene Paar gibt es nun doch noch Hoffnung auf ein Happy End. Neun Länder einigten sich am Freitag beim Treffen der EU-Justizminister in Brüssel, gemeinsam voranzugehen, darunter neben Frankreich auch Österreich, Spanien und Italien.

Die EU hat 27 Staaten und ebensoviele verschiedene Scheidungsgesetze. Von Schweden, wo eine Blitzscheidung per Post möglich ist, bis hin zu Malta, wo der Spruch "Bis dass der Tod uns scheidet" noch volle Geltung hat. Einheitliche Grundsätze zur Trennung binationaler Ehen gibt es nicht. Zwar wollten 26 EU-Staaten die jährlich rund 170.000 grenzüberschreitenden Scheidungen in der EU erleichtern und damit jede sechste Ehetrennung. Der Beschluss scheiterte aber im Juni am Veto Schwedens.

Um voranzukommen geht Europa nun getrennte Wege. Die neun Länder - neben Frankreich auch Österreich, Spanien, Griechenland, Italien, Luxemburg, Ungarn, Slowenien und Rumänien - wollen auf Initiative der französischen Justizministerin Rachida Dati eine "Scheidungs-Avantgarde" bilden und damit einen Präzedenzfall im Europarecht setzen. "Es gibt 170.000 gute Gründe dafür", sagte Dati mit Blick auf die hohe Zahl der Scheidungen in Europa.

Die neun Länder wollen vor allem einen Missstand beheben: Derzeit eilt im Streitfall häufig einer der beiden Partner vor das Gericht des Landes, das ihm die günstigeren Bedingungen bietet. Der zweite schaut bei diesem sogenannten Windhundverfahren in die Röhre. Künftig gäbe es im Idealfall klare Regeln, die keinen benachteiligen. Davon könnte dann etwa ein französisch-spanisches Paar profitieren oder zwei Österreicher, die in Italien leben. Wie genau die neue Trennung von Tisch und Bett aussehen könnte, muss nun zunächst die EU-Kommission entscheiden.

Und Deutschland? Die Bundesregierung verhält sich noch wie das erschreckte Tantchen, das vor dem Gezeter ihrer Lieben die Ohren verschließt, um keinen der Streithähne zu verprellen. Justizministerin Brigitte Zypries sei zwar "grundsätzlich" sehr für gemeinsame europäische Regeln, sagte ihr Staatssekretär Lutz Diwell in Brüssel. Aber Deutschland hätte gerne eine möglichst große Einigkeit in der europäischen Familie, um späteren Zwist zu vermeiden.

Das katholische Irland, das seinen Bürgern Scheidungen sehr schwer macht, fürchtet nach dem Abstimmungsdebakel zum EU-Reformvertrag ein "falsches Signal". Dabei ist Dublin an EU-Justizbeschlüsse gar nicht gebunden.

Falls Berlin doch noch mitmacht, wäre das eine gute Nachricht: Zumindest für die knapp 30.000 binationalen Paare, die sich in Deutschland jährlich scheiden lassen.

AFP
25.07.2008 | 16:41
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