21.07.2008 | 20:31

Knackpunkte der WTO-Verhandlungen in Genf

WTO-Sitz in Genf ©AFP

Die Welthandelsgespräche in Genf gelten als letzte Chance zu einer Einigung in der seit sieben Jahren laufenden Doha-Runde. Dabei wollen die Mitgliedstaaten der Welthandelsorganisation (WTO) einen Durchbruch versuchen. Ein Überblick über die Knackpunkte aus EU-Sicht:


WENIGER GELD FÜR BAUERN:

Europas Bauern müssen sich auf weniger Hilfen aus Brüssel einstellen: Auf Druck der Südländer sollen die EU, die USA und Japan ihre Landwirtschaft-Subventionen kappen. Nach dem jüngsten WTO-Vorschlag soll die EU auf 75 bis 85 Prozent ihrer wettbewerbsverzerrenden Hilfen verzichten. EU-Handelskommissar Peter Mandelson bietet bisher 70 Prozent an. Ganz wegfallen sollen ab 2013 die Exportzuschüsse, mit denen die EU überschüssiges Getreide oder andere Produkte zu Spottpreisen in Entwicklungsländern verkauft. Dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy gehen die Zugeständnisse Mandelsons bereits zu weit. Frankreich ist als größtes europäisches Agrarland Hauptprofiteur der Hilfen.

BESSERE MARKTCHANCEN FÜR AUTO- UND MASCHINENBAUER:

Länder wie China, Indien und Brasilien sollen ihre Zölle auf Industriegüter abbauen. Vor allem Deutschland pocht auf einen besseren Zugang für seine Auto- und Maschinenbauer sowie die Chemieindustrie. Nach dem jüngsten WTO-Vorschlag müssten etwa Indien oder Brasilien ihre Zölle im Schnitt um elf bis zwölf Prozent senken.

ÖFFNUNG DER MÄRKTE FÜR DIENSTLEISTER:

Auf Druck der Industrieländer sollen Dienstleister einen besseren Zugang zu den internationalen Märkten erhalten. In Genf müssen noch die betroffenen Branchen ausgehandelt werden, etwa Telekomkonzerne, Banken oder Versicherungen.

BANANEN:

Als Stolperstein könnte sich der seit Jahren schwelende Bananen-Streit zwischen der EU, Lateinamerika und den USA erweisen. Die EU hatte sich zuletzt kompromissbereit gezeigt und eine Absenkung ihrer Einfuhrzölle für Bananen in Aussicht gestellt. Widerstand leisten nun die Länder Afrikas, der Karibik und des Pazifik-Raums, die sogenannten AKP-Staaten. Die Länder, überwiegend ehemalige Kolonien, können ihre Bananen bisher bevorzugt in die EU ausführen.

AFP
21.07.2008 | 20:31
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