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Polen und Litauen haben Vorbehalte gegen eine Normalisierung der Beziehungen zu Russland und verweisen darauf, dass der mit der EU ausgehandelte Kaukasus-Friedensplan nicht erfüllt sei. Stein des Anstoßes ist, dass Moskau in den abtrünnigen georgischen Regionen Südossetien und Abchasien 7600 Soldaten halten will. Vor Beginn des militärischen Konfliktes mit Georgien am 8. August waren es nicht mehr als 2000.
Die EU-Mehrheit ist nach Angaben von Diplomaten jedoch bereit, sich über die Bedenken Polens und Litauens hinwegzusetzen. Entscheidungen in der Außenpolitik bedürfen in der EU in der Regel der Einstimmigkeit. Im Falle Russlands gilt aber eine Sonderklausel, die einen neuen EU-Beschluss zur Wiederaufnahme der Verhandlungen streng juristisch überflüssig macht. Die europäischen Staats- und Regierungschefs hatten die Verhandlungen am 1. September lediglich verschoben, bis Moskau den Sechs-Punkte-Friedensplan für den Kaukasus erfüllt.
EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner empfahl angesichts der Uneinigkeit in der EU, vor neuen Verhandlungen über das Partnerschaftsabkommen die Genfer Gespräche über Südossetien und Abchasien am 18. November abzuwarten. Solana sagte mit Blick auf die Bedenken Polens und Litauens, "das heißt nicht, dass wir nun einfach zur Tagesordnung übergehen".
Belastet werden die Beziehungen zu Russland auch durch die jüngste Moskauer Raketendrohung. Der russische Präsident Medwedew hatte vergangenen Mittwoch kurz nach der US-Präsidentenwahl angekündigt, Kurzstreckenraketen in der Ostsee-Exklave Kaliningrad stationieren zu wollen, die zwischen Polen und Litauen liegt.
Luxemburg warnte davor, dies mit der Kaukasus-Krise in Zusammenhang zu stellen. "Wir dürfen Kaliningrad und Georgien nicht durcheinanderbringen", sagte Außenminister Jean Asselborn. Die EU müsse Russland klar sagen: "Was ihr da macht, ist absoluter Quatsch." Dies solle aber am Verhandlungstisch geschehen.
Auch Großbritannien und Schweden nannten den Dialog mit Moskau alternativlos, machten zugleich aber schwere Bedenken geltend. Beide Länder riefen Russland auf, sich unverzüglich wie mit der EU vereinbart auf die Positionen vor Beginn des Kaukasus-Konflikts am 7. August zurückzuziehen. Auch die Arbeit internationaler Beobachter in Südossetien dürfe nicht weiter behindert werden.
Mit der Aufarbeitung des Kaukasus-Konflikts will die EU laut
Diplomaten eine internationale Kommission unter Leitung der Schweizerin
Heidi Tagliavini beauftragen. Deutschlands Außenminister Frank-Walter
Steinmeier hatte die Untersuchung im September angeregt. (AFP/red.)
