23.10.2008 | 20:35

Sacharow-Preis ehrt seit 20 Jahren mutige Bürgerrechtler

Mit Hu Jia hat das Europaparlament bereits zum zweiten Mal einen chinesischen Dissidenten mit dem Sacharow-Preis für geistige Freiheit ausgezeichnet: 1996 ging die begehrte Auszeichnung an den "Vater der Demokratiebewegung" in China, den ebenfalls inhaftierten Wei Jingsheng. Peking protestierte damals prompt gegen die "brutale Einmischung" in die inneren Angelegenheiten und erlaubte Wei Jingsheng nicht, den Preis persönlich in Straßburg entgegenzunehmen.

Geschaffen wurde der heute mit 50.000 Euro dotierte Sacharow-Preis 1988 - ein Jahr vor dem Tod des Namensgebers, des russischen Physikers, Regimekritikers und Friedensnobelpreisträgers Andrej Sacharow. Die Auszeichnung würdigt Menschen und Organisationen, die sich besonders mutig für Menschenrechte und geistige Freiheit einsetzten, manchmal unter Lebensgefahr. Der erste Sacharow-Preis ging vor 20 Jahren an den Anti-Apartheid-Kämpfer und späteren Staatschef von Südafrika, Nelson Mandela und posthum an den sowjetischen Bürgerrechtler Anatoli Marchenko. Ein Jahr später erhielt der Vater des Prager Frühlings, Alexander Dubcek, die Auszeichnung.

Seither würdigte das Parlament ein breite Palette von Persönlichkeiten und Organisationen: Viele der Preisträger mussten ihren Einsatz mit langjährigen Haftstrafen büßen - wie die birmanische Oppositionspolitikerin Aung San Suu Kyi, die kurdischstämmige türkische Abgeordnete Leyla Zana oder der kubanische Oppositionelle Oswaldo Payá. Andere trotzten Morddrohungen, wie die algerische Journalistin Salima Ghezali oder die Mitglieder der Bürgerinitiative "Basta Ya!", die gegen den Terrorismus der baskischen Untergrundbewegung ETA ankämpfte.

Zu den ausgezeichneten Organisationen gehören die "Reporter ohne Grenzen", der weißrussische Journalistenverband, die in Kuba für Menschenrechte kämpfenden "Damen in Weiß" und die argentinischen "Mütter der Plaza de Mayo", die unermüdlich mit Demonstrationen Auskunft über ihre während der Militärdiktatur verschwundenen Kinder verlangen. Ein besonderes Zeichen setzte das Europaparlament mit dem Sacharow-Preis Preis 2001: Ihn erhielten gemeinsam ein palästinensischer Vater und eine israelische Mutter. Jeder von ihnen hatte im Nahost-Konflikt ein Kind verloren. Dennoch setzten sich beide für eine Aussöhnung zwischen Israelis und Palästinensern ein. (AFP)

DAS JOURNAL
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