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Weltweit Enttäuschung nach Scheitern der WTO-Runde

Leerer Tisch bei WTO-Gesprächen ©AFP

Mit Enttäuschung und Bedauern haben Regierungen und Wirtschaftsvertreter in aller Welt auf das Scheitern der Welthandelsgespräche in Genf reagiert. Während US-Firmen Indien für den Abbruch der Gespräche verantwortlich machten, beschränkten sich die meisten Staaten auf die Äußerung ihrer Enttäuschung.


China nannte das Ende der Verhandlungen ein "tragisches Scheitern", das auf "die Unfähigkeit zweier Länder, ihre Differenzen zu überwinden", zurückgehe. Die USA und Indien waren über Schutzklauseln uneinig, die Neu Delhi zum Schutz seiner Bauern in das Abkommen aufnehmen wollte.

In Genf hatten die WTO-Mitgleder neun Tage lang um einen Abschluss der Doha-Runde für eine Liberalisierung des Welthandels gerungen. Die Runde war 2001 eingeleitet worden und sollte eigentlich bereits 2004 abgeschlossen sein.

Der Abbruch der Gespräche sei "eine schlechte Nachricht für die Unternehmen, Arbeiter, Bauern und vor allem die Armen der Welt", erklärte die US-Handelskammer, die mehr als drei Millionen Firmen und Organisationen vertritt. Handelskammerchef Tom Donohue machte China und Indien für das Scheitern verantwortlich. "Indien und China sind Schwellenländer, aber zu großer Macht gehört auch große Verantwortung", kritiserte Donohue. Der US-Industrieverband NAM gab ebenfalls China und Indien die Schuld am Scheitern der Gespräche.

Aber auch von seiten der Schwellenländer kam Kritik. Indonesiens Handelsministerin Mari Elka Pangestu, die die Entwicklungsländergruppe G-33 koordiniert, betonte, die Entwicklungsländer hätten sich kompromissbereit gezeigt. "Daher sind wir tief enttäuscht und bedauern, dass die, die einen Schritt weiter gehen konnten, nicht einen Schritt weiter gegangen sind", sagte sie. Chinas Handelsminister Chen Deming schrieb auf seiner Internetseite, er sei "sehr enttäuscht".

Japans Regierungschef Yasuo Fukuda nannte das Scheitern "äußerst bedauerlich". Das Abkommen war bei den japanischen Bauern äußerst umstritten, da es eine Senkung der Zollschranken für Agrarprodukte vorsah. Besonders betroffen zeigten sich Vertreter Brasiliens, das wegen fehlender bilateraler Handelsvereinbarungen besonders auf ein Welthandelsabkommen angewiesen war.

Auch die Bundesregierung bedauerte das Scheitern der Verhandlungen. Ein Regierungssprecher sprach sich in der "Financial Times Deutschland" dafür aus, eine Perspektive für ein Fortsetzen der Gespräche aufzuzeigen. In vielen Bereichen habe es Fortschritte gegeben. EU-Handelskommissar Peter Mandelson nannte das Scheitern "herzzerreißend".

AFP
30.07.2008 | 08:37
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