Anti-semitische Gewalt in Europa

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Regierungen wollen den Anfängen wehren

PARIS - Ein Brandanschlag auf eine Synagoge in Frankreich, Schüsse auf Israelis in Dänemark, rund zwei Dutzend antisemitische Zwischenfälle in Großbritannien - in Anbetracht der Kämpfe zwischen Israelis und Palästinensern in Nahost wächst in Europa die Furcht vor weiteren Übergriffen gegen jüdische Einrichtungen. Frankreich mit den größten muslimischen und jüdischen Gemeinden Europas machte klar, dass es Gewalt auf seinem Boden nicht dulden werde. Die Regierung werde "mit äußerster Entschlossenheit" vorgehen, wenn jemand den Konflikt nach Frankreich tragen wolle, sagte Premierminister François Fillon.
Auch in Belgien herrscht Alarmbereitschaft. Unbekannte versuchten am Dienstag, das Eingangsportal einer Synagoge in Brüssel mit einem Brandsatz anzuzünden. "Wir stellen fest, dass die Lage explosiver wird", sagte ein Regierungssprecher. In Antwerpen erklärten Vertreter der jüdischen und muslimischen Gemeinde gemeinschaftlich, dass die beiden Glaubensgruppen in der Stadt zwar verschiedene Ansichten über den Konflikt in Nahost hätten. "Das ist aber kein Grund, den Konflikt hierher zu tragen." Nach einer Solidaritätskundgebung für die Palästinenser in der vergangenen Woche war es in Antwerpen zu Ausschreitungen gekommen.

Der französische Staatschef Nicolas Sarkozy erklärte nach dem Brandanschlag auf die Synagoge in Toulouse, die Regierung werde es nicht zulassen, dass die "internationalen Spannungen" sich in Gewalt zwischen den Konfessionsgruppen in Frankreich entlüden. Innenministerin Michèle Alliot-Marie erklärte, es gebe Anzeichen dafür, dass Einzelpersonen oder Gruppen versuchten, die Lage in Nahost "auszunutzen" und den Konflikt nach Frankreich zu tragen. Sie versuchte, mäßigend auf Muslime und Juden einzuwirken, indem sie mit Vertretern beider Religionsgruppen sprach.

Der Anschlag auf die Synagoge in Toulouse sowie Ausschreitungen bei einer Kundgebung für die Palästinenser am Wochenende in Paris riefen Erinnerungen an die gespannte Lage nach dem zweiten Palästinenseraufstand vom Herbst 2000 wach. Seinerzeit hatten sich Übergriffe und Anschläge auf jüdische Ziele wie Friedhöfe und Synagogen in Frankreich gemehrt. Im Jahr 2002, als in Afghanistan bereits Krieg herrschte und die Vereinigten Staaten den Krieg gegen den Irak vorbereiteten, wurden 193 judenfeindliche Zwischenfälle und Angriffe gemeldet, während es zuvor 32 gewesen waren.

Auch in Deutschland gebe es eine "aufgeladene Stimmung", sagte der Generalsekretär des Zentralrats der Juden, Stephan Kramer, der Nachrichtenagentur AFP. Er stehe in Kontakt mit muslimischen Organisationen mit dem Ziel, "dass die Lage nicht eskaliert". Der Zentralrat sehe Vorfälle wie in Frankreich, Großbritannien und Dänemark "mit großer Sorge".

In Dänemark hatte ein aus dem Nahen Osten stammender Mann am Neujahrstag in einem Einkaufszentrum auf zwei Israelis geschossen. Einer der beiden wurde dabei schwer verletzt. In Großbritannien beobachtete die pro-jüdische Organisation Community Security Trust in der vergangenen Woche "mehr als 20, vielleicht 25 antisemitische Zwischenfälle", wie ein Sprecher sagte.

In Deutschland habe es vergleichbare Übergriffe aber "zum Glück, Gott sei Dank, bislang nicht gegeben", sagte Kramer. Bei Kundgebungen gegen das israelische Vorgehen im Gazastreifen seien allerdings von palästinenserfreundlichen Demonstranten "strafrechtlich verwertbare Äußerungen" gefallen, denen die Behörden nachgehen müssten. In Frankfurt am Main skandierten Demonstranten demnach: "Vergast die Juden." (AFP/red.)

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