09.11.2008 | 03:03

Kein Bedauern und keine Reue

Anhänger der Bali-Bomber ©AFP
Für Verwandte und Koranschüler sind Bali-Bomber Helden

Der Hinrichtung ihrer beiden Söhne hat die 72-jährige Frau gefasst entgegengesehen. "Ich weine nicht, meine Söhne haben das Richtige gemacht, nämlich Ungläubige getötet", sagte Tariem in ihrem Haus im Dorf Tenggulun im Osten der indonesischen Insel Java wenige Tage vor der Hinrichtung. Sie ist die Mutter von zwei in der Nacht zum Sonntag (Ortszeit) durch ein Hinrichtungskommando erschossene sogenannte Bali-Bomber. So wie die Mutter von insgesamt 13 Kindern findet es auch der Rest der Familie gottgegeben, dass der 47-jährige Amrozi, sein 48-jähriger Bruder Mukhlas und ein weiterer Mittäter im Oktober 2002 durch Bomben in Nachtklubs auf Bali 202 Menschen, die meisten von ihnen Ausländer, töteten.

"Wir sind stolz, weil es in dieser Welt voller Lügen und Anschuldigungen immer noch Menschen gibt, die dagegen ankämpfen", meinte auch der jüngere Bruder Ali Fauzi wenige Tage vor der Hinrichtung. Ein weiterer Sohn der Familie, Ali Imron, verbüßt eine lebenslange Haftstrafe. Die Bomber von Bali waren alle eng mit der islamistischen Terrororganisation Jemaah Islamiyah (JI) verbunden, die als südostasiatischer Arm des Terrornetzwerks El Kaida gilt und in den muslimischen Ländern Südostasiens einen Gottestaat errichten will. Seit 1999 wird JI für mehr als 50 Anschläge und Attentatsversuche verantwortlich gemacht.

Mukhlas war Islamlehrer, der seinen Sohn nach Osama bin Laden benannte. Unter dem Einfluss des indonesischen Islamistenführers Abu Bakar Bashir kämpfte er in den 80er Jahren als Mudschahedin gegen die sowjetische Armee in Afghanistan. Ein halbes Jahr vor den Bali-Attentaten soll er den mittlerweile im US-Gefangenenlager Guantanamo einsitzenden JI-Chefplaner, Hmabali, getroffen haben. Zusammen sollen sie den Beschluss gefasst haben, "weiche" westliche Ziele in Südostasien anzugreifen.

Amrozi trat in die Fußstapfen seines Bruders Mukhlas. Auch er wurde durch Bashir radikalisiert. Der Mechaniker stellte die Bomben her. Zum Zeitpunkt der Anschläge hielt er sich in Java auf. Als Vordenker der Anschläge galt der dritte im Bunde, das führende JI-Mitglied Imam Samudra. Der Computerfachmann kämpfte ebenfalls in Afghanistan. Er kundschaftete die Ziele auf der Fereininsel Bali aus, den Sari Club und den Paddy Nightclub.

Terrorexperten halten die JI, die seit drei Jahren keine Verantwortung mehr für einen Anschlag übernommen hat, für tief gespalten. Im Juni vergangenen Jahres wurde einer der wichtigsten Köpfe aus der ersten Generation, Zarkasi, festgenommen. Nach Einschätzung der Südostasien-Expertin der Internationalen Crisis Group (ICG), Sidney Jones, gibt es allerdings nach wie vor eine kleine Gruppe, die konkrete Anschläge auf "Ungläubige" plane.

Auch die Studierenden an den von der JI finanzierten islamistischen Koranschulen sprechen sich für den Heiligen Krieg aus. Doch eine "Anti-Radikalisierungsstrategie" der Regierung hat es laut Jones vorläufig geschafft, Anschläge zu stoppen. Womöglich seien die Koranschulen aber eine tickende Zeitbombe. "Die Frage ist, was diese Koranschüler in zehn Jahren machen", sagt Jones.

Ein wichtiger Anlaufpunkt für die Rekrutierung und Ausbildung von JI-Anhängern ist seit Jahren die Darusy Syahadah Schule in Zentraljava, wo auch Selbstverteidigung trainiert wird. Auch hier werden die Bali-Bomber als Helden verehrt. Doch die Studenten lassen sich nicht in die Karten gucken. Es liege "an Gott", ob er dem Beispiel der drei Bomber folgen werde, meint einer von ihnen.

Im Dorf Tenggulun mit seinen vielen Moscheen und einfach Holzhäusern gibt es dagegen auch Menschen, die finden, dass die drei Bali-Bomber zurecht verurteilt wurden. "Sie haben die Todestrafe verdient, weil wir alle friedlich miteinander leben sollen", sagt Sulastri. Er wohnt neben der Mutter der beiden hingerichteten Bali-Bomber. (AFP/red.)

DAS JOURNAL
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