Die Erkennungsmarke wird zusammen mit anderen persönlichen Gegenständen wie Ehering oder Armbanduhr zum Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge (VDK) nach Kassel geschickt. Dort wird dann versucht, den Toten zu identifizieren und seine Familie zu benachrichtigen. Das dauert mindestens ein halbes Jahr.
Bis heute ist das Schicksal von 1,2 Millionen deutschen Zivilisten und Soldaten aus dem Zweiten Weltkriegs unbekannt. Erst nach dem Fall des Kommunismus konnte im ehemaligen Ostblock mit der Suche begonnen werden. Dort starben drei Millionen deutsche Soldaten, fast eine halbe Million davon in Polen. "Wir dachten, wir würden hier in Hel 270 Soldaten exhumieren", sagt Maciej Milak, der die Exhumierung leitet. "Es werden fast tausend sein." Viele Soldaten hätten gebrochene Beine und sogar Amputationen. "Die Körper müssen von Granaten der sowjetischen Artillerie verstümmelt worden sein", sagt Milak. "Wir vermuten, dass es noch ein zweites Leichenfeld in Hel gibt, irgendwo in den Dünen."
Seit 1990 hat die Stiftung Pamiec nach eigenen Angaben die Gebeine von mehr als 160.000 deutschen Soldaten des Zweiten Weltkriegs umgebettet. In Hel ist die Suche schwierig. Hobby-Archäologen und Einheimische haben hier schon früher nach möglicherweise wertvollen Gegenständen gesucht. Viele Erkennungsmarken sind verschwunden. "Wenn wir zum Pilzesammeln in den Wald gingen, mussten wir aufpassen, nicht auf Knochen oder Militärstiefel zu treten", erinnert sich ein Passant.
"Wir wissen, dass die Soldaten zwischen März und Mai 1945 gestorben
sind, der letzte am 9. Mai", sagt Milak. "Sie müssen sehr eilig
begraben worden sein, denn die Gräber sind nicht tief." Erst am 9. Mai,
einen Tag nach der Kapitulation Deutschlands, nahm die Rote Armee Hel
ein. "Es ist Zeit, dass auch diese Soldaten würdig und in Frieden
ruhen", sagt Jerzy Romel, ein Teilnehmer der Grabungen. "Dass ihre
Angehörigen einen Ort des Gedenkens haben und dass die Kinder im Wald
spazieren gehen können ohne die Angst, auf Knochen zu treten." (AFP/red.)
