Erste Berichte über eine solche Fischvergiftung kommen bereits
bei der zweiten Expedition des britischen Seefahrers James Cook im Jahr
1774 vor. Die Erkrankung tritt nach dem Genuss von ansonsten ungiftigen
Speisefischen auf und führt neben Erbrechen, Übelkeit, Durchfall und
Bauchschmerzen zu Hautausschlägen, Taubheitsgefühl in Lippen- und
Mundschleimhaut sowie zu neurologischen Symptomen wie der Umkehr des
Kalt-Warm-Empfindens. Verursacht wird die Fischvergiftung durch
Dinoflagellaten, die in Meeresalgen leben und die verschiedene Toxine
produzieren. In Fischen, die diese Algen fressen, reichern sich diese
Gifte, die auch durch Erhitzen nicht neutralisiert werden können, an.
Das erklärt auch, warum Raubfische besonders hohe Konzentrationen der
Toxine in sich tragen. Dieses Ciguatera-Gift wirkt beim Menschen als
Nervengift und beeinflusst die Übertragung von Reizen von Nervenzelle
zu Nervenzelle. Eine besondere Rolle spielen dabei die
Verbindungsstellen zwischen zwei Nervenzellen bzw. zwischen Nervenzelle
und Muskel, die so genannten Synapsen.
Der Forscher Frederic Meunier vom Queensland Brain Institute &
School of Biomedical Sciences hat den Versuch angestellt, Brevenal als
Mittel gegen Ciguatera einzusetzen. Fast zeitgleich hat der Forscher
Dan Baden von der University of North Carolina Wilmington dieselbe Idee
geboren. Die beiden Wissenschaftler haben sich zusammengeschlossen und
gemeinsam weitergeforscht und festgestellt, dass die Substanz eine
wesentliche Eigenschaft des Toxins verhindert. Die Ciguatoxine binden
nämlich an spannungsaktivierte Natriumkanäle und verursachen deren
permanente Aktivierung. "Es sieht so aus als hätten wir nun einen Weg
gefunden, diese Wirkung zu blockieren", berichten die Forscher im
Wissenschaftsmagazin Plos ONE
http://www.plosone.org.
Eines der großen Probleme war bisher das Fehlen eines geeigneten
Medikaments. Erst 2002 hatte eine randomisierte Studie ergeben, dass
die einzige Arznei im Vergleich zum Placebo keine wesentliche
Verbesserung aufwies. Bisher gab es nur die Möglichkeit einer
Akuttherapie in Form einer Infusion mit dem Zuckeralkohol Mannit, der
die Urinausscheidung und damit die vermehrte Ausscheidung des Gifts
förderte.
Das Forscherteam will nun die Substanz in einer großangelegten
Studie untersuchen und daraus ein geeignetes Medikament herzustellen.
Brevenal ist eine nicht toxische Substanz, mit der sich die Algen gegen
ihre eigenen Toxine schützen. Die Wissenschaftler wollen nun Brevenal
synthetisch herstellen, ehe es im Tierversuch untersucht werden soll.
Aussender:
pressetext.europa
Redakteur:
Wolfgang Weitlaner