
Zinhle Thabethe, Mitbegründerin einer am Projekt beteiligten
Organisation zur Aidsaufklärung, bezeichnet Südafrika als "Epizentrum
der HIV-Epidemie". Etwa jeder Achte der 47 Mio. Südafrikanern trägt das
HIV-Virus in sich und hat oft mit mehreren sozialen Stigmata zu
kämpfen, die mit der Krankheit verbunden sind: Besonders männliche
Patienten sind von Armut und Arbeitslosigkeit betroffen. Ein
überbelastetes öffentliches Gesundheitssystem und überfüllte
medizinische Einrichtungen, in denen auch Tuberkulose weiter verbreitet
wird, spitzen die Lage zu. Obwohl HIV-Tests landesweit verfügbar sind
und die Behandlung meist kostenlos ist, seien bisher erst fünf Prozent
der Bevölkerung getestet, sagte Thabethe. Selbst dieser Anteil der
Bevölkerung würde jedoch in der Regel erst kurz vor dem Sterben Hilfe
suchen.
Das Mobiltelefon könnte in dieser Situation Abhilfe schaffen, denn
fast 90 Prozent der Bevölkerung Südafrikas besitzt ein Gerät. Die
"Masiluleke"-Projektentwickler vereinbarten mit der südafrikanischen
Mobiltelefongesellschaft MTN
http://www.mtn.co.za,
im nächsten Jahr täglich eine Million "Bitte um Rückruf"-Nachrichten zu
versenden, die von den weit verbreiteten Prepaid-Geräten empfangen
werden können. Nachrichten dafür lauten etwa: "HIV und misshandelt von
deiner Familie oder Freunden? Wende dich für vertrauliche Beratung an
die Aids-Helpline", oder "Du bist öfters krank, müde, verlierst Gewicht
und hast Angst, HIV-positiv zu sein? Ruf die Aids-Helpline an". Eine
beigefügte kostenlose Telefonnummer verweist an Telefonzentralen, von
denen die Anrufer anonym zu Testlaboren oder Medizinern
weitervermittelt werden. Aufgabe des Personals sei es außerdem, Hilfe
bei Depressionen zu bieten, indem Medikamente vorgeschlagen werden,
sagt Thabethe.
Alphonsine Kayinamura-Ihunge von der Aidshilfe Bonn bestätigt
gegenüber pressetext die Notwendigkeit, neue Kommunikationskanäle für
die Aufklärung zu suchen. "Alle Projekte müssen sich die Frage stellen:
Wie können wir uns an die Situation anpassen und die Menschen
erreichen?" Online-Beratung oder das Telefon seien auch in Europa
Schlüssel für den Zugang Betroffener zu Beratungsangeboten, die Wahrung
von Anonymität sei dabei oberstes Prinzip. "Wer HIV-infiziert ist,
versucht das zu verheimlichen", so die aus Ruanda stammende Beraterin.
Aussender:
pressetext.europa
Redakteur:
Johannes Pernsteiner