Es sei ein "Gebot der
Ethik", die Ungleichheiten in Gesundheitssystemen zu
bekämpfen, sagte Michael Marmot, der Vorsitzende der
für den Bericht verantwortlichen WHO-Kommission. Es
bestehe eine "giftige Kombination" aus schlechtem
Sozialversicherungsschutz, einem ungerechten
wirtschaftlichen Gefüge und schlechten
gesundheitspolitischen Maßnahmen. Diese
Ungerechtigkeiten "töten in großem
Maßstab", heißt es in dem Bericht.
Ein Kind etwa, das in einer Vorstadt von Glasgow in
Schottland geboren werde, habe eine durchschnittliche
Lebenswerwartung, die 28 Jahre unter der eines 13 Kilometer
entfernt aufwachsenden Menschen liege. "Es gibt
dafür keine biologische Erklärung", sagte
Marmot. Allein soziale Gründe erklärten die
unterschiedlich hohe Lebenserwartung selbst innerhalb einer
Region: "Sie entstehen aus dem Umfeld, in das Menschen
geboren werden, in dem sie aufwachsen, leben, arbeiten und
älter werden", heißt es in dem Bericht.
Die Kommission der WHO plädiert für die
Finanzierung des Gesundheitssystems aus Steuereinnahmen
sowie einen obligatorischen Versicherungsschutz. Es sei
"inakzeptabel", dass weltweit 100 Millionen Menschen
wegen "katastrophaler" Gesundheitskosten in die
Armut gestürzt würden. Dabei sei der Reichtum
eines Landes nicht aussagekräftig für die
Gesundheitssituation der Bürger.
Relativ arme Länder wie Kuba, Costa Rica, Sri Lanka oder
China erreichten zufriedenstellende Ergebnisse bei der
Gesundheitsvorsorge, heißt es in dem Bericht.
Andererseits spreche die Tatsache, dass 49 Millionen
US-Bürger keinen Versicherungsschutz hätten, nicht
für ein leistungsfähiges und gerechtes
Gesundheitssystem in den Vereinigten Staaten, sagte Marmot.