Der Unterschied zwischen hohem und normalem Gedächtnis im Alter
liegt in den grauen Zellen. Hier sammelt sich laut
Forschungsergebnissen mit zunehmenden Jahren ein faserartiges Gewirr
aus dem Tau-Protein an, das offensichtlich den Zellabbau verursacht und
somit die Gedächtnisleistung mindert. Dieses Proteinengewirr tritt bei
allen älteren Personen auf, in besonders großem Ausmaß bei
Alzheimer-Patienten. Alte mit Spitzenhirnen hatten jedoch weitaus
weniger Fasergewirr. Studienleiter Changiz Genula sieht darin ein
erstaunliches Ergebnis: "Bisher ging man von einem fortschreitenden
Phänomen der Zunahme des Gewirrs aus. Doch manche Menschen sind gegen
diese Entwicklung anscheinend immun."
Entkräftet wurden damit zugleich frühere Annahmen, die als Ursache
des normal verlaufenden Gedächtnisverlusts die senilen Plaques
angesehen hatte. Dabei handelt es sich um die Ablagerungen des
Amyloid-Proteins im Zentralnervensystem, die bei Alzheimer-Patienten
gehäuft vorkommen. Die Untersuchung zeigte jedoch gleiche Plaque-Werte
bei Alten mit exzellenter und durchschnittlicher Gedächtnisleistung.
Das deutet darauf hin, dass das geringe Tau-Gewirr entscheidendes
Merkmal für die Bewahrung der Gedächtnisleistung ist. Weitere
Forschungen sollen ermitteln, wie sich "Superhirne" vor dem Zerfall
schützen. "Das Verständnis der genetischen und molekularen Grundlagen
dieser Resistenz wird eines Tages dazu führen, dass wir Gehirne
durchschnittlicher Leistung vom Erinnerungsverlust schützen können",
hofft Genula.
http://www.northwestern.edu
Aussender:
pressetext.europaRedakteur:
Johannes Pernsteiner