Ein Teelöffel Gartenerde enthält etwa 10.000 Bakterien. Nur ein
Prozent davon sind derzeit für Antibiotika und andere Medikamente
einsetzbar, bei den restlichen 99 Prozent ist die Entzifferung des
Genmaterials bisher noch nicht gelungen. "Erfolgreiche Trennung der
verschiedenen Bakterien oder ihrer DNA von Proben aus der Natur ist oft
das Hauptproblem", erklärt Hömke. "Erst wenn sichergestellt ist, dass
die DNA nur von einer einzigen Art stammt, kann sie im Labor sinnvoll
vermehrt werden." Dies stelle eine sehr anspruchsvolle Aufgabe dar.
Bei den eingeholten Bodenproben ist das den New Yorker Forschern
scheinbar gelungen. Nach Erwärmung der Proben isolierten sie deren DNA
und untersuchten sie nach einer Sequenz namens OxyC, die bei
Antibiotika wie Vancomycin oder Teicoplanin häufig vorkommt. Die
Bodenproben verschiedener Länder wiesen im Test jeweils zumindest eine
zuvor unbekannte Variante der OxyC-Sequenz auf. Die Forscher
verwendeten Enzyme der geklonten Gene mit den neuen OxyC-Sequenzen zur
Erzeugung antibiotischer Derivate. Diese sollen nicht nur Bakterien mit
der Wirkung der bisher stärksten Medikamente bekämpfen, sondern auch
andere einzigartige Strukturelemente aufweisen, die bisher noch
unbestimmte medizinische Vorteile liefern könnten.
Die Nachfrage nach neuen Wirkstoffen für Antibiotika ist groß.
"Zunehmend gibt es Fälle, in denen die meisten Antibiotika nichts
ausrichten können", sagt Hömke. Die Zuverlässigkeit der Antibiotika sei
in den vergangenen Jahren aufgrund resistenter Erreger gesunken, zudem
suche man in den Labors auch nach Antibiotika für bisher nur langwierig
behandelbare Krankheiten wie Tuberkulose oder Borreliose. Die
US-Forscher hoffen, hier eine positive Entwicklung durch ihre
Forschungsmethode auszulösen: "Es gibt eine Unzahl weiterer ungenutzter
Strukturen, zu denen man durch kulturunabhängige Sortierungsmethoden
Zugang erhält", so der New Yorker Forschungsleiter Sean Brady. Die
Natur bietet somit einen Vorrat bislang noch unbekannter
Gesundheitswirkstoffe.
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Aussender:
pressetext.europa
Redakteur:
Johannes Pernsteiner