Dazu
injizierten sie den Mäusen einen Protein-Cocktail, der dazu führte,
dass ein Trio von normalerweise schlafenden Genen in den Zellen
erwachte und dort mit einer Umprogrammierung begann. "Das ist, als ob
jemand ein Programm auf seinen Computer herunterlädt und plötzlich wird
aus dem PC ein Mac", erläutern die Wissenschaftler ihr Vorgehen.
Bereits nach drei Tagen begannen die so umgewandelten Zellen mit
der Produktion kleiner Insulinmengen. Eine Woche später hatten sich
bereits mehr als 20 Prozent in sogenannte Beta-Zellen umgewandelt.
"Deren Insulinproduktion war mit der echter Beta-Zellen identisch",
erklärt Doug Melton, Studienleiter und stellvertretender Leiter des
Harvard Stammzellen-Instituts. Die Forschungsergebnisse könnten seiner
Meinung nach aber nicht nur ein großer Fortschritt in der
Diabetesbehandlung sein, sondern auch zur Regeneration von
Herzmuskelzellen bei Herzinfarktpatienten oder zur Erneuerung von
anderen beschädigten Zellen eingesetzt werden. "Es sollte möglich sein,
einen jeden Zelltyp, der im Körper fehlt, aus einer anderen Zelle
herzustellen", fährt Melton fort.
Das von den Forschern als
"direct reprogramming" bezeichnete Verfahren, basiert auf dem Fakt,
dass jede Zelle die komplette Bibliothek von Genen ihrer DNA
beinhaltet. Die externe Zufuhr der Proteine führte in den Zellen durch
einen noch unbekannten Prozess dazu, dass sich neue Zelltypen,
Muskelfäden und Neuronen bildeten. Im Versuch stellten die
Diabetes-Experten zudem fest, dass durch ihre Behandlungsmethode
gewonnene Beta-Zellen nicht nur schneller, sondern auch stärker den
Blutzuckerspiegel senkten als Beta-Zellen, die aus Stammzellen gewonnen
waren. "Die Transformation scheint sicherer zu sein als Methoden, bei
denen unreife Stammzellen eingesetzt werden und die dazu tendieren zu
Tumoren auszuwachsen", meint Konrad Hochedlinger, Wissenschaftler am
Harvard Stammzellen-Institut.
Für die Motivation der Heilung
von Diabetes ein Stück näher zu kommen, sorgte bei Melton ein ganz
persönlicher Umstand: "Meine beiden Kinder Emma und Sam haben beide
selber Diabetes Typ I und ich wache jeden Tag auf und frage mich, wie
kann ich Beta-Zellen herstellen kann", berichtet der Forscher im
Gespräch mit der New York Times. Jedoch warnt der Harvard-Professor vor
verfrühten Hoffnungen. Denn bisher befinde man sich noch im Tierversuch
und es könne zwei bis fünf Jahre dauern, bis Testergebnisse für den
Menschen vorliegen. "Sollten sich die Ergebnisse bestätigen, wäre es
ein tatsächlicher Durchbruch", sagte ein deutscher Diabetes-Experte auf
pressetext-Nachfrage. Denn damit würde man nicht nur der Heilung
zahlreicher Krankheiten näher kommen, sondern könnte auch die
umstrittene embryonale Stammzellenforschung zurückfahren.
http://www.harvard.edu
Aussender:
pressetext.europa
Redakteur:
Erik Staschöfsky