13.11.2008 | 07:49

Zurückhaltende Erwartungen an Weltfinanzgipfel

Vor Beginn des Weltfinanzgipfels am kommenden Wochenende haben wichtige Industriestaaten zurückhaltende Erwartungen an das Treffen geäußert. Die Zusammenkunft der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G-20) sei nur "der Anfang eines Prozesses", sagte Frankreichs Außenminister Bernard Kouchner am Mittwoch in Washington. Auch der Berater von US-Präsident George W. Bush Dan Price, sprach vom Beginn einer ganzen Reihe von Gesprächen. Dennoch erwarte er bereits "einige konkrete Ergebnisse". Japan will laut einem Zeitungsbericht dem Internationalen Währungsfonds (IWF) bei dem Gipfel Darlehen von bis zu 100 Milliarden Dollar anbieten.

Kouchner sprach von "schwieriger Arbeit", die auf dem Finanzgipfel am Freitag und Samstag beginne und die hartnäckig fortgeführt werden müsse, um die derzeitige Marktwirtschaft zu regulieren. Er gehe deshalb von einem "sehr langen Prozess" aus. Der französische Außenminister nannte zudem den scheidenden US-Präsidenten Bush als mögliches Problem. Dieser habe sich als Verfechter der uneingeschränkten Marktwirtschaft bereits nur widerstrebend auf die Organisation des Gipfels eingelassen. Während Bush übermäßigen Eingriffen in das Finanzsystem ablehnend gegenübersteht, fordert Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy grundlegende Reformen.

Mit welchen konkreten Ergebnissen er beim Gipfel rechne, wollte Bush-Berater Price nicht weiter ausführen. Er sprach lediglich von einem "Aktionsplan" mit kurzfristigen Maßnahmen sowie späteren Reformen des Weltfinanzsystems, die eine künftige Krise verhindern sollen. Bei der Vorbereitung des Gipfels kooperiere er "sehr eng" mit den Mitarbeitern des künftigen US-Präsidenten Barack Obama, sagte Price. Er werde sie bis zur Amtsübernahme des Demokraten am 20. Januar auf dem Laufenden halten.

Obama selbst will an dem Gipfel, den Bush am Freitag mit einem Abendessen eröffnet, nicht teilnehmen. Er lässt sich von der früheren US-Außenministerin Madeleine Albright vertreten, wie Obamas außenpolitischer Berater Denis McDonough am Mittwoch mitteilte. Demnach soll neben Albright auch der Republikaner Jim Leach als Vertrauter Obamas an dem Treffen in Washington teilnehmen. Der ehemalige Abgeordnete aus Iowa hatte den Demokraten Obama im Wahlkampf unterstützt und mit der Gruppe "Republikaner für Obama" im gegnerischen Lager um Stimmen geworben. Albright war während der Präsidentschaft von Bill Clinton Außenministerin.

Die japanische Zeitung "Nikkei" berichtete am Donnerstag, dass Tokio beim Weltfinanzgipfel dem IWF bis zu rund 100 Milliarden Dollar (etwa 80 Milliarden Euro) Devisenreserven anbieten wolle. Japans Regierungschef Taro Aso werde beim Treffen in Washington ein entsprechendes Angebot unterbreiten. Damit solle der IWF von der Finanzkrise stark betroffene Schwellenländer unterstützen. Durch das japanische Angebot könnten sich die derzeitigen Ressourcen des IWF um mehr als ein Drittel erhöhen. (AFP/red.)

DAS JOURNAL
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