Kouchner sprach von "schwieriger Arbeit", die auf dem Finanzgipfel
am Freitag und Samstag beginne und die hartnäckig fortgeführt werden
müsse, um die derzeitige Marktwirtschaft zu regulieren. Er gehe deshalb
von einem "sehr langen Prozess" aus. Der französische Außenminister
nannte zudem den scheidenden US-Präsidenten Bush als mögliches Problem.
Dieser habe sich als Verfechter der uneingeschränkten Marktwirtschaft
bereits nur widerstrebend auf die Organisation des Gipfels eingelassen.
Während Bush übermäßigen Eingriffen in das Finanzsystem ablehnend
gegenübersteht, fordert Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy
grundlegende Reformen.
Mit welchen konkreten Ergebnissen er beim Gipfel rechne, wollte Bush-Berater Price nicht weiter ausführen. Er sprach lediglich von einem "Aktionsplan" mit kurzfristigen Maßnahmen sowie späteren Reformen des Weltfinanzsystems, die eine künftige Krise verhindern sollen. Bei der Vorbereitung des Gipfels kooperiere er "sehr eng" mit den Mitarbeitern des künftigen US-Präsidenten Barack Obama, sagte Price. Er werde sie bis zur Amtsübernahme des Demokraten am 20. Januar auf dem Laufenden halten.
Obama selbst will an dem Gipfel, den Bush am Freitag mit einem Abendessen eröffnet, nicht teilnehmen. Er lässt sich von der früheren US-Außenministerin Madeleine Albright vertreten, wie Obamas außenpolitischer Berater Denis McDonough am Mittwoch mitteilte. Demnach soll neben Albright auch der Republikaner Jim Leach als Vertrauter Obamas an dem Treffen in Washington teilnehmen. Der ehemalige Abgeordnete aus Iowa hatte den Demokraten Obama im Wahlkampf unterstützt und mit der Gruppe "Republikaner für Obama" im gegnerischen Lager um Stimmen geworben. Albright war während der Präsidentschaft von Bill Clinton Außenministerin.
Die japanische Zeitung "Nikkei" berichtete am Donnerstag, dass Tokio
beim Weltfinanzgipfel dem IWF bis zu rund 100 Milliarden Dollar (etwa
80 Milliarden Euro) Devisenreserven anbieten wolle. Japans
Regierungschef Taro Aso werde beim Treffen in Washington ein
entsprechendes Angebot unterbreiten. Damit solle der IWF von der
Finanzkrise stark betroffene Schwellenländer unterstützen. Durch das
japanische Angebot könnten sich die derzeitigen Ressourcen des IWF um
mehr als ein Drittel erhöhen. (AFP/red.)
