Allerdings verdiente die Bank im vergangenen Jahr auch sehr ordentlich: 1,92 Milliarden Euro Gewinn fielen an. Dieses Jahr sieht es deutlich schlechter aus. In den ersten neun Monaten machte die Commerzbank nur 419 Millionen Euro Gewinn, und im dritten Quartal schrieb sie rote Zahlen. Die Bonuszahlungen sind aber vom Gewinn abhängig.
Dem Chef wird das wohl keiner anlasten. Als Nachfolger von Klaus Müller, der als Vorsitzender in den Aufsichtsrat wechselte, legte Blessing einen guten Start hin. In nur wenigen Monaten fädelte er bis Anfang September die Milliardenfusion mit der Dresdner Bank ein. Die Übernahme des kleineren Konkurrenten, bei dem Blessing im Alter von 20 Jahren seine Karriere als Banklehrling startete, soll im kommenden Jahr schon abgeschlossen sein.
Den Kunden seiner und der Dresdner Bank versprach Blessing, sie würden keinerlei Nachteile erleiden. Und den Kunden hat der Chef, der bei seinem Start bei der Commerzbank ab 2001 zunächst das Privatkundengeschäft saniert hatte, auch weiterhin fest im Blick. Am Wochenende rief die Commerzbank ihre Privat- und Geschäftskunden per Zeitungsannonce auf, sich als Mitglied im künftigen Kundenbeirat zu bewerben. Zweimal im Jahr sollen in diesem Gremium 40 Kunden dem Vorstand ihre Ideen und Vorschläge zu Produkten und Serviceleistungen unterbreiten.
Eine Reaktion offenbar auf das derzeit arg gebeutelte Vertrauen der Kunden in die Finanzbranche. Auch in seinen öffentlichen Äußerungen geht Blessing auf diese zu: Mitte Oktober räumte er öffentlich schwere Versäumnisse der Bankenbranche ein und nahm sich selbst ausdrücklich nicht aus. Schon vor zwei Wochen kündigte er an, das Rettungspaket der Bundesregierung zu prüfen und begründete dies auch mit den Interessen von Hausbauern, die weiter Kredit bekommen müssten, und von Firmen, die weiter Geld für neue Maschinen bräuchten.
Erfahrungen austauschen über den Staat als Helfer in der Not kann sich Blessing übrigens auch in seiner Familie: Der Bruder seiner Frau ist Axel Wiandt, seit Anfang Oktober neuer Chef des krisengeschüttelten Baufinanzierers Hypo Real Estate (HRE). Der ehemalige Deutsche-Bank-Manager holte sich in der vergangenen Woche eine kurzfristige Liquiditätsgarantie von 15 Milliarden Euro für die HRE. Im Unterschied zu seinem Schwager muss er sich damit aber nicht den Gehaltsvorstellungen der Regierung beugen - die Obergrenze gilt nur bei Kapitalspritzen.
