27.10.2008 | 16:22

Börsen in der Abwärtsspirale

Foto: DDP/AFP

Die Talfahrt an den Börsen weltweit setzt sich auch in der neuen Handelswoche fort, der Deutsche Aktienindex (Dax) verlor am Montag zweitweise über fünf Prozent. Die Ursachen für den anhaltenden Abwärtstrend sind breit gefächert.

Finanzmarktkrise:

Vor allem Bank-Aktien verlieren derzeit stark an Wert. Nach den Pleiten mehrerer Institute haben die Anleger Angst, weitere Geldhäuser könnten zusammenbrechen. Zudem veröffentlichen viele Banken immer neue Verluste aufgrund von Spekulationen am US-Hypothekenmarkt. Das schmälert die Gewinne der Institute, weswegen die Aktien für Anleger weniger interessant werden. Die Finanzmarktkrise wirkt sich auch negativ auf andere Branchen aus: Firmen erhalten von den Banken nur eingeschränkt Kredite für Investitionen. Die Banken legen ihre Reserven lieber zurück, anstatt Geld zu verleihen - und sichern damit ihre Zahlungsfähigkeit. Dadurch wird aber das Wachstum der Firmen gebremst, was wiederum das Interesse der Anleger schwinden lässt.

Rezessionsängste:

Bereits in den vergangenen Monaten mehrten sich die Anzeichen für einen weltweiten Wirtschaftsabschwung. In Deutschland drückten lange Zeit die hohen Energiepreise die Kauflaune der Verbraucher. Jetzt dürften die Sorgen angesichts der Finanzkrise für Zurückhaltung sorgen. Die deutschen Unternehmen korrigieren seit Monaten die Erwartungen an ihr künftiges Geschäft immer weiter nach unten, wie der ifo-Geschäftsklimaindex zeigt. Volkswirte rechnen mit einer schweren Rezession weltweit. Diese wird durch den schwachen Konsum in den USA verstärkt. Dort stiegen seit dem vergangenen Jahr im Zuge der Finanzkrise die Zinsen für Kredite massiv an. Die US-Verbraucher zahlen deswegen lieber ihre Kredite zurück, anstatt weiter auf Pump zu konsumieren.

Technische Zwänge:

Wegen der Finanzkrise ist nach Einschätzung der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) eine ganze Reihe von Anlegern auch gezwungen, ihre Aktien zu verkaufen. Dabei handelt es sich unter anderem um Investoren, die über sogenannte "Carry Trades" ihre Wertpapierkäufe finanzierten. Die Anleger besorgten sich Geld über zinsgünstige Darlehen in Japan oder der Schweiz und kauften Aktien von Unternehmen der Euro-Zone. Da die Kreditzinsen aber derzeit steigen und die Aktienkurse fallen, versuchen die Anleger ihre Wertpapiere loszuwerden und ihre Darlehen zurückzuzahlen, um ihre Verluste zu begrenzen. Auch fordern die Kreditgeber ihr Geld zurück.

Angst vor Verlusten:

Eine ganze Reihe institutioneller Anleger wie Banken, Versicherungen oder US-Rentenkassen verringert derzeit ihre Aktienbestände, um weitere Verluste an den Börsen zu vermeiden. "Diese Verkäufe sind mitunter durchaus irrational, weil viele Marktteilnehmer mittlerweile Risiken wahrnehmen, denen sie vor einem Jahr noch gar keine Beachtung geschenkt hätten", sagt Kapitalmarkt-Experte Olaf Stotz von der Frankfurt School of Finance. Neue Negativ-Meldungen von den Börsen würden "überstark" wahrgenommen, was die Abwärtsspirale am Kapitalmarkt weiter verstärke, sagt Stotz.

AFP | DAS JOURNAL
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