Ein Rohstoffhändler hat bei dem britischen Brokerhaus PVM durch nicht autorisierte Wetten auf den Brent-Ölpreis massive Preisturbulenzen ausgelöst und somit den Rohölpreis zu seinem preisbezogenem Achtmonatshoch verholfen.
So verteuerte sich die Rohöl-Sorte binnen nur einer Stunde von 71 auf 73,5 Dollar. In dieser Zeitspane wurden rund 16 Mio. Barrel (je 159 Liter) gehandelt - die tägliche Fördermenge Saudi-Arabiens. Obwohl PVM die Zockerei erst am Donnerstag bekannt wurde und das Unternehmen rund zehn Mio. Dollar Verlust durch das schnelle Auflösen der Menge hinnehmen musste, bleibt ein bitterer Nachgeschmack mit Blick auf die Arbeitsweise der britischen Finanzaufsichtsbehörde FSA.
"In einem solchen Fall stellt sich natürlich die Frage nach einer stärkeren Regulierungsmacht durch den Staat. Dennoch sind gerade die Börsen der Inbegriff freier Marktwirtschaft. Daher sollten die Unternehmen erst einmal vor ihrer eigenen Haustür kehren und an der Einhaltung der bestehenden Compliance arbeiten. Die vorliegende Wette ist schließlich nicht illegal vom Händler, sondern ,nur' unautorisiert durchgeführt worden", erläutert Senior Oil Analyst Andy Sommer von der Elektrizitäts-Gesellschaft Laufenburg auf Nachfrage von pressetext. Einem Bericht der Londoner Financial Times nach soll es sich bei dem Händler um Steve Perkins handeln. Dieser soll PVM in der Zwischenzeit aber bereits verlassen haben.
Die Spekulationen Perkins' im größten Brokerhaus für außerbörsliche Termingeschäfte haben dazu beigetragen, dass die Brent-Preisspitze in den frühen Morgenstunden am Dienstag auch den Preis von US-Rohöl der Sorte West Texas Intermediate (WTI) nach oben bewegt hat -zeitversetzt kletterte der WTI-Preis in der Spitze um zwei Dollar. Der Perkins-Vorfall weckt Erinnerungen an frühere Skandale. Ein prominentes Beispiel aus dem vergangenem Jahr ist der Fall Jérôme Kerviel. Als damaliger Société-Générale-Händler soll er dem Kreditinstitut mit Spekulationsgeschäften einen Verlust von 4,9 Mrd. Euro eingebockt haben. Ohne Genehmigung soll er Handelspositionen im Wert von 50 Mrd. Euro aufgebaut haben.
Ähnlich drastisch endeten im Februar 2008 Wetten des MF-Global-Mitarbeiters Evan Dooley auf den Weizenpreis in Chicago - damals entstand dem Brokerhaus ein finanzieller Schaden von 141,5 Mio. Dollar. Dass der Ölmarkt mit Perkins nun in den Fokus gerät, ist für Sommer nicht weiter verwunderlich. "Zwar haben wissenschaftliche Studien des IWF gezeigt, dass es keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen den Ölpreisen und entsprechenden Futures gibt. Das soll jedoch nicht heißen, dass es ihn bei einem entsprechenden Marktumfeld nicht doch gibt", fügt Sommer gegenüber pressetext an. Der aktuelle Skandal ist für PVM peinlich, weil sich Vorstandschef David Hufton selbst als Kritiker der Ölpreisspekulation bezeichnet hat.
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Florian Fügemann